Warum 98, 99 oder 100 % Lieferbereitschaft euch teuer kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bestand für einen Ziel-Service-Level wächst nicht linear: Jeder weitere Prozentpunkt kostet mehr als der letzte.
  • Von 90 auf 99 % Ziel wächst der Sicherheitsbestand um gut 80 %, von 99 auf 99,9 % noch einmal um ein Drittel.
  • 100 % Lieferbereitschaft ist kein erreichbares Ziel: Gegen jede denkbare Abweichung müsstet ihr unbegrenzt Bestand halten.
  • Richtig ist ein Ziel je Warengruppe statt pauschal fürs ganze Lager: Renner hoch, Langsamdreher bewusst niedriger.
  • Im Simulator in diesem Artikel seht ihr den Trade-off zwischen Service-Level und Bestandswert an einem Zahlenbeispiel.

Warum wird hohe Lieferbereitschaft überproportional teuer?

Der Sicherheitsbestand skaliert mit dem z-Wert der Normalverteilung, und der steigt nahe 100 % steil an: Für 90 % genügt z = 1,28, für 99 % braucht es 2,33, für 99,9 % schon 3,09. Jeder Prozentpunkt kauft immer weniger zusätzliche Verfügbarkeit für immer mehr Kapital.

Dazu kommt: Die Fälle, die ihr mit den letzten Prozentpunkten abfangt, sind die seltensten und unplanbarsten. Gegen einen Lieferantenausfall von sechs Wochen hilft kein Sicherheitsbestand, der für normale Schwankungen dimensioniert ist.

Wie sieht der Trade-off bei euch aus?

Setzt eure Baseline (aktueller Service-Level und Bestandswert) und verschiebt das Ziel. Die Kurve zeigt, wie der Bestand mit dem Ziel wächst:

Welcher Service-Level ist der richtige?

Es gibt keinen richtigen Wert fürs ganze Lager, sondern richtige Werte je Warengruppe. Drei Fragen führen dorthin:

In der Praxis landet ihr bei gestaffelten Zielen entlang der Klassen aus der ABC/XYZ-Analyse: hohe Ziele für AX, bewusst niedrigere für CZ.

Startet nicht mit der Frage „Wie hoch soll der Service-Level sein?", sondern mit „Wo verlieren wir heute Umsatz, und wo liegt totes Kapital?". Die Antwort steht in eurer Verbrauchshistorie, artikelweise. Genau das rechnet eine Potenzialanalyse durch.

Wie viel Liquidität liegt in eurem Lager gebunden?

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