Nachhaltigkeit im Einkauf: Interview mit Thomas Vierhaus (VTH).

Das Wichtigste in Kürze

  • Thomas Vierhaus ist Hauptgeschäftsführer des VTH Verband Technischer Handel, des Verbands von rund 220 technischen Händlern im DACH-Raum.
  • Im Video-Interview mit Felix Kogler erklärt er, warum nachhaltiges Lieferkettenmanagement im Einkauf beginnt.
  • Drei Handlungsfelder: die Lieferkette, der eigene Einkauf, nachhaltige Produkte. ISO-Standards liefern das Prüfraster.
  • Sein Rat: bei den strategischen Stammlieferanten anfangen und zwei bis drei Jahre einplanen. Der Einkauf ist der Schlüssel.

Der Anlass.

Der VTH vertritt rund 220 technische Händler im DACH-Raum: Großhandel für Industriebedarf, vom Wälzlager bis zur Dichtung, mit etwa 5 Mrd. € Branchenumsatz. Felix Kogler hat mit Hauptgeschäftsführer Thomas Vierhaus im Video-Interview darüber gesprochen, was nachhaltiges Lieferkettenmanagement für den Einkauf konkret bedeutet. Das Gespräch entstand 2021, kurz vor Inkrafttreten des deutschen Lieferkettengesetzes, und ist damit ein Blick auf die Vorbereitung, die Vierhaus der Branche damals empfahl.

Das Gespräch.

Weil die Branche mitten in der Lieferkette steht: als Partner des Einkaufs auf Kundenseite und des Verkaufs auf Industrieseite. Vierhaus nennt drei Handlungsfelder: Verbesserungen entlang der Lieferkette, Maßnahmen im eigenen Einkauf und nachhaltige Produkte. Dazu kommt die betriebliche Ebene, vom Solardach bis zum Fuhrpark.

Auf den Einwand, man habe doch gar keinen Einfluss, antwortet Vierhaus klar: „Man muss es trotzdem machen. Und das fängt damit an, dass ich es in meiner Beschaffungsstrategie verankere." Konkret heißt das: den Ist-Zustand der wichtigsten Lieferanten erheben, Lieferantengespräche und Fragebögen nutzen und die kleineren Lieferanten behutsam mitnehmen statt abzuschrecken.

Anerkannte ISO-Zertifizierungen als erstes Raster: 9001 für Qualität, 45001 für Arbeitsschutz, 31000 für Risikomanagement, 14001 für Umwelt, 50001 für Energie. Dazu Fragen nach Grundsatzerklärungen zu Menschenrechten und nach konkreten Maßnahmenplänen für den CO2-Fußabdruck. Je mehr Antworten ein Lieferant liefern kann, desto besser lässt er sich einordnen.

Nach dem Pareto-Prinzip bei den strategischen Stammlieferanten: 20 Prozent der Lieferanten stehen für 80 Prozent des Geschäfts, dort ist der Einfluss am größten. Vierhaus rechnet mit mindestens zwei bis drei Jahren, bis ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement steht. Und er lässt keinen Zweifel am Dreh- und Angelpunkt: Der Einkauf ist der Schlüssel. Wenn er die Bedeutung und die Risiken des Themas nicht kennt, macht er nicht mit.

Sein „Das kommt darauf an" mit klarer Tendenz: Große Kunden fragen schon aktiv nach und werden Nachhaltigkeit in ihre Vergabekriterien schreiben. Wer sie als Händler nicht erfüllt, liefert dort künftig nicht mehr. Die Kosten flachen mit der Zeit ab, wie beim Qualitätsmanagement, auch weil Softwaretools vieles automatisieren.

Was bleibt.

Vierhaus' Schlusswort im Interview: jetzt loslegen und „nicht warten wie das Kaninchen vor der Schlange", das Thema in Sequenzen angehen und Einkauf, Mitarbeiter und Lieferanten ins Boot holen. Und Nachhaltigkeit im Einkauf ist messbar: weniger Überbestand, weniger Verschrottung, weniger Eiltransporte. Wie ihr euren Überbestand beziffert, zeigt der Artikel zu den Bestandstypen. Zwei Jahre nach dem Gespräch stand Felix Kogler beim VTH selbst auf der Bühne: zum Bericht von der Jahrestagung 2023.

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